dps News 18.05.2000
Testbericht Kodak DCS620X
bis 6.400 ASA Die DCS620X ist eine Weiterentwicklung der DCS620. Auf Basis der Nikon F5 hat Kodak hier eine Kamera gezaubert, deren Bildqualität bei hohen Empfindlichkeiten bislang nicht vorstellbar war. Ich hatte die Gelegenheit die Kamera zwar nur ein paar Stunden, dafür aber unter Lifebedingungen testen zu können. Schauplatz war eine der typischen Sporthallen mit Lichtverhältnissen, die jeder Sportfotograf so sehr liebt. Zum Test wurden vergleichbare Motive mit Filmmaterial (Fuji 800 ASA gepusht auf 1.600 ASA), mit der neuen Kodak DCS 620X und der Nikon D1 gemacht. Die Lichtverhältnisse waren so schlecht, dass das Filmmaterial bei 1/250Sek. und Blende 2,8 ca. 1/2 Blende unterbelichtet war. Zu allem Überfluss habe ich das Thema Tischtennis gewählt. Kurze Belichtungszeiten und keine Möglichkeit zu blitzen.
Das Beste Ergebnis bei 1.600 ASA erzielte mit Abstand die DCS 620X. Das Filmmaterial landete abgeschlagen auf dem letzten Platz. Welche Qualität die DCS620X hier produzierte ist einfach unglaublich. Die Farbwiedergabe war exakt und die Farbsättigung der Bilder war sehr hoch. Ich habe die Sättigung sogar reduziert, was auch im Importmodul schon zur Auswahl steht. Als ich dann die Empfindlichkeit auf 2.000 und 3.200 ASA steigerte war die DCS620X ohne Konkurrenz. Film und D1 waren nicht annähernd in der Lage zu folgen. Die 620X tat so als wäre das alles kein Problem. In der News vom 15.5.2000 ist schon der neue Sensor etwas näher beschrieben. Die Neuerung ist die neue Filtermatrix auf dem Sensor mit CMY anstatt RGB Filtern. Durch die geringere Filterdichte der CMY Filter gewinnt man ca.1 Blendenstufe. Dazu kommt ein intelligentes Importmodul mit einer neuen Rauschunterdrückung. Dadurch wird das bekannte Bildrauschen mehr oder weniger unterdrückt. Die Rauschunterdrückung wird durch die Empfindlichkeitseinstellung der Kamera gesteuert. Je höher die Empfindlichkeit bei der Aufnahme gewählt wurde um so stärker greift die Rauschunterdrückung ein. Mein Eindruck ist, dass der Rauschunterdrückungsfilter bis etwa 2.000 ASA hervorragend arbeitet, ab 3.200 ASA aufwärts nach meinem Geschmack aber etwas zuviel des Guten tut. Hier kann es manchmal vorkommen, dass in Details wie z.B. Haaren die Zeichnung etwas verloren gehen kann. Ich habe ab 3.200 ASA die Rauschunterdrückung dann herausgenommen und dafür im LAB Modus den Helligkeitskanal unscharf maskiert und die Farbkanäle leicht weichgezeichnet. Das Ergebnis ist ein sehr geringes Bildrauschen, das mit herkömmlichen Empfindlichkeiten von ca. 640 – 800 ASA zu vergleichen ist. Dafür bleiben feine Details besser erhalten. Beflügelt von dem Ergebnis bei 3.200 ASA bin ich dann gleich in die Vollen gegangen und habe die ASA Einstellung auf 5.000 ASA hochgedreht. Ich weiss, es ist nicht zu glauben, aber das Ergebnis bei 5.000 ASA entspricht etwa dem Colornegativ Film bei 1.600 ASA!!!! Die Kamera ist für Empfindlichkeiten von 400 bis 4.000 ASA kalibriert. Belichtungen bis 6.400 ASA sind möglich. Alle typischen Kodak Features sind auch in der DCS620X integriert: Sprachaufzeichnung, Abspeichern von RAW-Files (Rohdaten), intelligentes Importmodul mit Überbelichtungskorrektur (!!!) und Wahlmöglichkeit der Farbtemperatur (nach bereits erfolgter Belichtung), Senden der Bilder per Handy direkt aus der Kamera ohne Laptop (Sprachaufzeichnung wird selbstverständlich mitgesendet!!!). Während der Handyübertragung kann natürlich weiter fotografiert werden. Wenn ich es nicht selbst gesehen hätte, würde ich alles was hier steht nicht glauben und unter der Rubrik "Fotografenlatein" abhaken. Wenn es Ihnen jetzt auch so geht, was ich verstehen kann, fordern Sie doch einfach die CD mit den Originaldaten bei mir an. Ich sende Ihnen gerne alle Bilder zu. Auch die Rohdaten und die entsprechenden Importmodule. Die DCS620X wird schon im Juni lieferbar sein. Das Ganze hat allerdings einen kleinen Haken: Momentan ist diese Kamera nur auf Nikon F5 Basis zu bekommen. Man kann nur hoffen, dass Kodak diese Technologie so schnell als möglich auch in eine Canon einbaut!!!!
Dieter Baumann, digital-photo-systeme
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